Sagen und Legenden

 

          Einst gehörten die Zwillingsburgen Mirów und Bobolice den Brüdern Mir und Bobol, denen sie ihre Namen verdanken. Unter ihrer Herrschaft wuchs die Macht der beiden Burgen und die Bewohner des Umlandes lebten im Wohlstand. Die Brüder zogen gemeinsam in den Krieg, aus dem beide mit wertvoller Beute zurückkehrten, die sie gerecht untereinander aufteilten. Um ihre Schätze in Sicherheit zu bringen, schlugen die Brüder einen unterirdischen Gang in den Fels, der beide Burgen miteinander verband. Als Wächterin ließen sie eine scheußliche Hexe zurück. Mit ihren roten Augen versetzte sie alle Verwegenen, die den Versuch unternahmen, den Schatz der Brüder in ihren Besitz zu bringen, in Angst und Schrecken. Sie erschien in Begleitung eines furchterregenden schwarzen Hundes. Das wohl bewachte Tunnelverlies füllte sich innerhalb kurzer Zeit mit sagenhaften Reichtümern.

          Eines Tages zog Bobol auf Geheiß des Königs in den Krieg gegen die Rus. Lange Monate gab es kein Lebenszeichen von ihm. Nach dem guten Herrscher sehnten sich nicht nur sein Bruder, sondern auch die Gefolgsleute und das Volk aus der Umgebung. Schließlich erschien vor der Burg der Herr von Bobolice an der Spitze eines Zuges von Wägen, die mit den reichsten Schätzen beladen waren. Nichts jedoch war mit dem Liebreiz einer schönen Gefangenen zu vergleichen. Zur Feier der glücklichen Rückkehr des Bruders richtete Mir in seiner Burg ein reiches Festmahl aus, zu dem er alle seine Untertanen einlud. Es wurde getanzt, getrunken und gefeiert ohne Ende. Am nächsten Tag wollten die Brüder nach ihrer Gewohnheit die Kriegsbeute teilen. Wie immer waren sie in allem einmütig, bis es um den Besitz der schönen Gefangenen ging. Beide hatten sich auf den ersten Blick in sie verliebt. Da sie nicht zu einer Einigung kommen konnten, beschlossen sie, das Los zu werfen. Das Glück war Bobol hold und bald wurde die Prinzessin seine Gemahlin. Zum Unglück jedoch liebte sie den anderen Bruder. Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, trafen sich die Liebenden im unterirdischen Gang, wenn die Hexe zum Hexensabbat ausflog. Bei einer dieser Liebesnächte weckte das Paar den Höllenhund. Sein schreckliches Bellen weckte Bobol, der die Abwesenheit seiner Frau bemerkte und sie zu suchen begann. Die Geräusche führten ihn in den Tunnel, wo er sie in Gesellschaft seines Bruders vorfand. Im Zorn ergriff er sein Schwert und durchbohrte dessen Brust. Die untreue Gemahlin ließ er in dem von der Hexe bewachten Verlies einmauern. Es heißt, dass noch heute in den Nächten des Hexensabbats die schöne Prinzessin erscheint und mit traurigem Blick vom Turm der Burg Bobolice aus nach Mirów hinüberblickt.

***

          Eine andere mit der Burg Bobolice verbundene Legende berichtet von der Weißen Frau, die sich nächtlichs auf dem steinernen Balkon zeigt. Diese Erscheinung wird mit der Nichte eines der Schlosseigentümer aus dem Geschlecht der Kreza in Verbindung gebracht, die einer Überlieferung aus dem 15. Jahrhundert zufolge von letzterem entführt und auf der Burg Bobolice gefangen gehalten worden sein soll.

***

           Im 19. Jahrhundert wurde in den Burgverliesen ein riesiger Schatz entdeckt. Es ist gut möglich, dass es sich nur um einen kleinen Teil der Kostbarkeiten handelt, deren Rest noch heute in dem in vielen alten Berichten erwähnten unterirdischen Gang zwischen den Burgen Mirów und Bobolice liegt.

 

    
 

Odwiedź również:

   © 2009 - Zamek Bobolice